Nachruf Dr. Johannes Just (20.7.1939 – 11.10.2017)

Vom 16. Februar 1968 an bis zum 30. September 2004, also nicht weniger als 36 Jahre und siebeneinhalb Monate, leitete Johannes Just das Museum für Sächsische Volkskunst. Er hatte über die künstlerische Erneuerung der Meißner Porzellanmanufaktur promoviert und war der erste Kunsthistoriker an dieser Stelle. Zunächst kommissarisch eingesetzt als Nachfolger von Prof. Dr. Manfred Bachmann, der damals zum Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen berufen wurde, arbeitete sich Just sehr schnell in die Themen der sächsischen Volkskunst ein. Als systematischer und gründlicher Charakter kümmerte er sich zunächst um die Neuinventarisation und Ordnung der Bestände und verwandelte allmählich die provisorische Wiederaufstellung der Nachkriegszeit in eine fundierte Gesamtschau der sächsischen Volkskunst. Neben der Mehrung und wissenschaftlichen Erschließung des Bestandes galt sein Engagement der Verlebendigung des Museums durch zahlreiche Kurse, Vorträge und Veranstaltungen sowie einer sehr umfangreichen, weit gefassten und eben darum auch äußerst erfolgreichen Sonderausstellungspolitik, die ihm und dem Haus eine treue Stammgemeinde sicherte. 

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Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit nutzte er gleichzeitig jede sich bietende Chance, das Gebäude selbst, den Jägerhof, Schritt für Schritt von Grund auf zu renovieren. Sogar einen bis heute bestehenden provisorischen Anbau konnte er realisieren. So navigierte er das Museum mit Geduld, diplomatischem Geschick, weitsichtiger Klugheit und zuweilen mit ausgesprochener Pfiffigkeit über 36 Jahre lang durch alle politischen Verhältnisse.

Über die Breite seiner wissenschaftlichen Forschungen legt seine Bibliografie beredtes Zeugnis ab. Seine Publikationen sind vielfältig und reichen von Einzelstudien und Überblicksdarstellungen zur sächlichen Volkskunst in Sachsen, über zahlreiche Monographien von Künstlerpersönlichkeiten bis zu historischen Studien über das Fach und seine Protagonisten.

stehender Mann und sitzende Frau
Johannes Just mit seiner Ehefrau Erika Just

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Er verstand sich immer als Verwalter des Erbes von Oskar Seyffert (1862 – 1940), dem Gründer des Museums für Sächsische Volkskunst (1913) und Initiator des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz (1908). Es kann deshalb nicht verwundern, dass Johannes Just schon im Februar 1990 ein Treffen Gleichdenkender und am 7. April die Versammlung zur offiziellen Wiederbelebung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz initiierte. Diesem Verein widmete er nach seiner Pensionierung im Oktober 2004 seine ganze Energie. Als stellvertretender Vorsitzender, Leiter der Fachgruppe Volkskunde/Volkskunst, verantwortlicher Redakteur der „Mitteilungen“, als sein Chronist, juristischer Stratege und Spiritus Rector machte er seine Erfahrung, seine Disziplin und sein umfassendes Wissen weiterhin wirksam für die Pflege der lebendigen sächsischen Kultur. Als wäre das alles nicht genug, übernahm er 2008 auch noch einen der arbeitsreichen Sitze in der Jury des Heimatpreises der Sächsischen Landesregierung.

Für seine tatsächlich unermüdliche Leistungsbereitschaft für die Sache der sächsischen Kultur erhielt er 2010 aus der Hand des Ministerpräsidenten Stanislav Tillich den Sächsischen Verdienstorden.

Die Staatlichen Kunstsammlungen verlieren in ihm einen erfahrenen, zuverlässigen und kollegialen Museumsfachmann, der auch nach seiner Pensionierung dem Museum für Sächsische Volkskunst eng verbunden blieb. Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren.

 

 

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